Europa
In gewisser Hinsicht kann man feststellen, dass das Phänomen der Life Settlements in Europa bereits viel früher existierte. Im Vereinigten Königreich mit seiner Wetttradition entstand im 18. Jh. ein faszinierender Handel mit „Lebensversicherungen“, wobei Wetten auf das Leben von manchmal vollständig willkürlich gewählten Personen, häufig Figuren des öffentlichen Lebens, abgeschlossen wurden. Diesem Handel wurde 1774 mit der Verabschiedung des „Gambling Acts“ ein Ende bereitet.
Da Lebensversicherungen als ein Besitz mit einem bestimmtem Wert betrachtet wurden, war es sehr wohl zulässig, die Police mit oder ohne Bezahlung zu übertragen. Der erste registrierte Verkauf einer Police im Vereinigten Königreich stammt aus dem Jahr 1844.
Während der Handel mit Life Settlements in den Vereinigten Staaten noch in den Kinderschuhen steckte, gab es im Vereinigten Königreich bereits einen gut eingebürgerten Handel mit sog. „
Traded Endowment Policies“. Versicherungsgesellschaften im Vereinigten Königreich sind sogar verpflichtet beim Kauf einer Police ihre Kunden auf die Möglichkeit hinzuweisen, die Police auf dem Markt anzubieten. Der Markt für TEP wird für das Jahr 2006 auf 600 Mio. GBP geschätzt.
Im Jahr 1999 entstand auch in Deutschland ein ähnliches Produkt, der als Zweitmarkt für Lebensversicherungen bezeichnet wird. Mittlerweile ist dort in kurzer Zeit eine ganze Industrie entstanden mit Investitionen in Höhe von ca. 1,0 Milliarden EUR.
Sowohl in Deutschland wie auch in England dominiert eine relativ beschränkte Anzahl Spieler der Ankaufmarkt. Auf dem Verkaufsmarkt bieten verschiedene Anbieter ihre Produkte an.
Die europäischen Vertragsübertragungen unterscheiden sich jedoch grundlegend von den amerikanischen Life Settlements. Diese Unterschiede begründen sich hauptsächlich durch die Lebensversicherungen selbst. Während in Amerika die Risikodeckung im Vordergrund steht, dominiert in Europa das Element des Kapitalaufbaus. Aus diesem Grund hat eine europäische Versicherung im Allgemeinen einen festgelegten Endtermin (häufig das Erreichen des 65. oder 70. Lebensalters). Eine europäische Lebensversicherung bietet den Versicherten häufig die Möglichkeit, von der Anlagerendite („overrent“) zu profitieren, was in den Vereinigten Staaten dann wiederum keine Rolle spielt.
Diese zugrunde liegenden Unterschiede beeinflussen das Endprodukt wesentlich. Ausführliche Informationen sind deswegen notwendig. Im Allgemeinen bieten die europäischen Alternativen eine niedrigere erwartete Rendite als die amerikanischen Life Settlements. Dies erklärt sich durch das ebenfalls niedrigere Risiko.